Die Gesundheitsreform krankt: Deutsche sind unzufrieden

München, den 04. November 2005.

Die Gesundheitsreform, eine der größten Herausforderungen unserer Politik, greift nicht: für mehr als 70 Prozent der Deutschen haben die Neuerungen keinerlei Veränderungen bewirkt. Nur 12 Prozent geben an, von den versprochenen Beitragssenkungen profitiert zu haben. Für 18 Prozent haben sich die Beiträge sogar erhöht. Hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung der medizinischen Versorgung sieht die Mehrheit schwarz: über 77 Prozent der Deutschen glauben, dass die Leistungen bei steigenden Beiträgen weiter gekürzt werden. Um Geld zu sparen, würden rund 40 Prozent der Teilnehmer auf deutsche Standards verzichten und Leistungen, die ihre Krankenkasse nicht übernimmt, im Ausland durchführen lassen. Dies geht aus der vorliegenden Gesundheitsumfrage der Münchner eCircle AG hervor. eCircle Research, der Geschäftsbereich Marktforschung des Unternehmens, hat im Oktober diesen Jahres eine Online-Befragung unter 14.535 Personen durchgeführt und dabei Erkenntnisse darüber gewonnen, wie die Deutschen die bisherigen Leistungen unserer Politiker beurteilen und wie der Einzelne mit seiner Gesundheit umgeht.

Eine gesunde Lebensweise spielt eine wichtige Rolle

Die Mehrheit der Teilnehmer (75 Prozent) ist sich bewusst, dass Ernährung für ihre Gesundheit wichtig ist und achten dementsprechend darauf. Gleiches gilt für Sport, den 87 Prozent als positiv für ihre Gesundheit einschätzen, jedoch sind die Deutschen dabei offensichtlicherweise weitaus weniger konsequent: 41 Prozent betreiben nahezu keinen Sport.

Selbstmedikation gewinnt zunehmend an Bedeutung

Die Deutschen sind keinesfalls wehleidig. Mehr als die Hälfte der befragten Personen (53 Prozent) ist in diesem Jahr zwar schon einmal krank gewesen, davon sucht allerdings nur eine Minderheit von 5 Prozent bei leichteren Erkrankungen gleich einen Arzt auf. Die überwiegende Mehrheit wartet erst einmal ab, ob sich der Zustand von alleine verbessert (57 Prozent) oder besucht eine Apotheke, um sich dort beraten zu lassen (38 Prozent) und gegebenenfalls rezeptfreie Medikamente zu kaufen. Auf das gesamte Jahr gesehen ergibt sich in Bezug auf die Arztbesuche folgendes Bild: die Mehrheit der Teilnehmer geht zwei bis fünf Mal zum Arzt. Bei einem Fünftel der Befragten steht sogar maximal ein Arztbesuch pro Jahr auf dem Programm. Alarmierend ist in diesem Zusammenhang vor allem das Ergebnis, dass 60 Prozent angeben, nicht regelmäßig zur Krebsvorsorge-Untersuchung zu gehen.

Rezeptfreie Medikamente (OTC-Produkte) und alternative Heilverfahren sind im Kommen

Zur Behandlung ihrer Erkrankung nehmen über 56 Prozent der Befragten ein verschreibungspflichtiges Medikament ein. Indessen greifen knapp 36 Prozent der Teilnehmer auf ein freiverkäufliches Präparat zurück und fast 16 Prozent nehmen gar keine Medikamente. Rezeptfreie Mittel werden vor allem gegen Fieber, Erkältung und Schnupfen (51 Prozent), gefolgt von Schmerzmitteln (42 Prozent), Halsbeschwerden (25 Prozent), Vitamin- und Nährstoffmangel (18 Prozent) und Allergien (14 Prozent) eingesetzt.

Interessant ist auch, dass ca. 40 Prozent schon einmal alternative Heilmethoden ausprobiert haben. Experimentierfreudig sind hier vor allem die Frauen. Knapp 50 Prozent der Befragten sagen aber, dass sie diese Methoden noch nie in Anspruch genommen haben und knapp 10 Prozent vertrauen der Homöopathie grundsätzlich nicht.